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Festakt zum 150.
Geburtstag der Realschule Verden |
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50 Jahre alte junge Realschule
Schüler beeindruckten auf dem Festempfang zum
Jubiläum mit musikalischen Beiträgen
VERDEN (kle) Als junges, sehr lebendiges Bildungsinstitut
präsentierte sich gestern die Verdener Realschule. Kein Muff von
vielen Jahren, kein Staub alter Aktendeckel. Und das, obwohl die
Pausenhalle mit Gästen gefüllt war, die den 150. Geburtstag der
Einrichtung feiern woll
„Ich
würde gerne als Schüler hierher zurückkehren“ , bekannte denn
auch der Vorsitzende des Kreisschulausschusses, Wilhelm Hogrefe,
nachdem er einen unterhaltsamen Nachmittag mit viel Musik und
zahlreichen wohlwollenden Worten erlebt hatte. Mit den anderen
Gästen hatte er die Schulband mit dem Stones-Klassiker
Satifaction sowie das Orchester und den Jungen Chor mit einer
Kostprobe aus Telemanns Schulmeister-Kantate gehört, die fünften
und sechsten Klassen mit ihrem Tanz durch die Zeiten erlebt und
war mit der Klasse 10d im Highschool Musical.
Die
ebenso stimmungsvollen wie turbulenten Beiträge der Schüler
hatten offenbar nicht nur den heutigen Landtagspolitiker Hogrefe
beeindruckt, der selber vor mittlerweile fast 50 Jahren Schüler
der Verdener Realschule war und sich noch gut daran erinnern
konnte. Auch Bürgermeister Lutz Brockmann lobte die musischen
Aktivitäten der Schule. Er berichtete in seinem Grußwort aber
nicht ausschließlich von guten Erinnerungen. Da habe es 1971
auch den ersten Tag gegeben und das beklemmende Gefühl des
Neulings, als die Klassen eingeteilt wurden.
An
einen ganz anderen ersten Tag erinnerte Schulleiter Christian
Piechot seine Gäste. Es war auch ein Antrittstag und zwar der
des allerersten Schülers der Schule. Christel habe der geheißen,
hatte der Rektor dem „Schülerhauptbuch“ entnommen. Dieser 15.
Oktober 1860 sei zugleich der erste Unterrichtstag in der
nagelneuen „Neuen Schule“ in Verden gewesen. „Der eigentliche
Geburtstag“, stellte Piechot fest. Der damalige Magistrat der
Stadt Verden habe mit der Einrichtung eine Lücke zwischen der
Volksschule und dem Gymnasium schließen wollen. Damals, wie
mittlerweile wieder, sei Ganztagsunterricht die Regel gewesen
und wie heute die Kernaufgabe, die Vorbereitung auf das
berufliche Leben, stellte Christian Piechot fest.
Diese
Beständigkeit im Einklang mit dem zeitbedingten Wandel würdigte
Regierungsschuldirektor Gerhard Grönke. Er war sich nicht
zuletzt aufgrund der Mitarbeit im Arbeitskreis des Landkreises
zur Fortentwicklung der Schulstruktur bewusst, dass mit der
Bevölkerungsentwicklung auch auf die Realschulen Veränderungen
zukommen würden. Beeindruckt von den Darbietungen hatte er aber
ebenso wenig wie Brockmann und Hogrefe Angst um die Realschule.
Für ihn war es eher eine spannende Frage, welchen Platz die
Einrichtung in der künftigen Bildungslandschaft einnehmen werde.
Schulleiter Christian Piechot konnte zum Jubiläum zahlreiche
Gäste in der Schule begrüßen.
Orchester und Junger Chor gaben unter Leitung von Regina Hirth
eine Kostprobe aus der Schulmeister-Kantate.
© VAZ 06.02.10 |
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Reelles
Lernen fürs reale Leben
Verden. Ganz hinten links sitzt ein älterer Herr, die
Hände gefaltet, die Augen zur Bühne gerichtet: Pal Szabo.
Der 77-Jährige unterrichtete 30 Jahre lang, von 1963 bis
1993, an der Verdener Realschule Sport, Astrophysik und
Geographie. 'Schön, dass ich an dieser Schule lehren
durfte', sagt er leise. 'Es war eine schöne Zeit.' Gestern
war Szabo einer der Gäste bei der Geburtstagsparty der
Realschule.
Regierungschuldirektor Gerd
Grönke,Schulleiter Christian Piechot und Verdens
Bürgermeister Lutz Brockmann (vorn, von links)
feierten gestern mit vielen Gästen in der Pausenhalle
den 150. Geburtstag der Verdener Realschule.
150 Jahre - ein hohes Alter für eine Schule? Für ein
Gymnasium eher nicht, aber sehr wohl für eine Realschule.
Das sagt einer, der es recherchiert hat und es also wissen
muss: Christian Piechot, Leiter der Verdener Realschule.
Piechot (dunkler Anzug, violette Krawatte) freut sich,
dass der Laden so voll ist. 'Schön, dass viele ehemalige
Schüler und Lehrer da sind.' Darunter sind Landrat Peter
Bohlmann, Bürgermeister Lutz Brockmann und der
Landtagsabgeordnete Wilhelm Hogrefe. Sie alle drückten
hier einst die Schulbank, Hogrefe war sogar mal Lehrer.
Auch der frühere Bundestagabgeordnete Joachim Stünker ging
einst in der Verdener Realschule ein und aus.
Piechot wirft in seiner Rede einen Blick zurück, erinnert
an den ersten Schüler, der am 15.10.1860 eingeschult
wurde: Ein Junge, bei dessen Namen Christel man eher an
ein Mädchen denkt. Christel, so der Schulleiter in seinem
kurzweiligen Vortrag, wurde von den Lehrern eine lediglich
'mäßige Begabung' und eher 'lässige' Arbeitsweise
attestiert. Jedoch habe es bei ihm 'keine gröberen
Verfehlungen' gegeben. 1862 verließ Christel die Schule
und wurde Bäckerlehrling.
Nur eine einzige Klasse gab es damals, berichtet Piechot,
in der alle gemeinsam unterrichtet wurden. Auch Schulgeld
wurde fällig, zwischen fünf und zehn Talern, so der
Schulleiter ('Französischunterricht kostete noch mal zwei
Taler extra'). Der Schulbesuch war damals auch eine Sache
des Portemonnaies
Piechot schlägt den Bogen ins nächste Jahrhundert, erzählt
von Platznot und Umzügen, von (gescheiterten) Plänen für
eine zweite Realschule sowie der Einrichtung und
Abschaffung der Orientierungsstufe. Und Piechot schaut
nach vorn, freut sich auf den Neubau des
Aula-Mensa-Bereiches (Kosten 3,7 Millionen Euro) für seine
derzeit 663 Schüler, der im Herbst fertig sein soll:
'Heute Morgen stand hier noch ein Radlader. Der ist jetzt
weg. Ich hoffe, der kommt bald wieder!'
Anschließend bieten die Fünft- und Sechstklässer einen
furiosen 'Tanz durch die Zeiten' zu klassischen Klängen,
wildem Rock?n?Roll und dem Disco-Pop der 70-er Jahre.
Außerdem bieten sie eine originelle Percussion-Nummer mit
Besen und Schrubbern. Später sorgen das Schulorchester,
der 'Junge Chor' und die Zehntklässler mit einer
mitreißenden Musical-Nummer für prächtige Unterhaltung.
Natürlich hat auch die Politik das Wort. Bürgermeister
Brockmann erinnert sich an seine Abschlussfeier (1977) und
ist erleichtert, dass 'sich das Bildungsideal seit damals
geändert hat'. Er habe sich oft gefragt, was das Wort
Realschule bedeutet - und sei zu folgendem Ergebnis
gekommen: 'Realschule bedeutet reelles Lernen fürs reale
Leben. Und viele haben nur gute Erinnerungen an die
Verdener Realschule'.
Auch Hogrefe lobt seine frühere Schule: 'Diese Schule hat
meine Begeisterung für Naturwissenschaften und Europa
geweckt.' Die Wahl, Verdens Realschule zu besuchen, sei
goldrichtig: 'Hier hat man alle Möglichkeiten! Und wenn
ich heute hier bin, hätte ich doch glatt Lust, hier mal
einen Tag lang wieder Schüler zu sein - auch wenn ich
schon so ein Fossil bin.'
Pal Szabo, hinten links, nickt, als er das hört. Dann
kommt Bewegung in seine gefalteten Hände. Er klatscht.
© Copyright
Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Verden,Datum: 06.02.2010
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"Neue Schule" wird
150 Jahre alt
Verdener Realschule will
feiern: Am 5. Februar Auftaktveranstaltung mit viel Musik
Von fabian lenk Verden.
Christian Piechot klappt das schwere, schwarze Buch
auf. "Hier sind alle Schüler des Jahres 1860 vermerkt", sagt der
Leiter der Verdener Realschule und deutet auf die Eintragungen in
akkurater Handschrift. Dieses sogenannte Schülerhauptbuch gehört zu
den Schätzen, die bald in der Aula ausgestellt werden - zum
150-jährigen Bestehen der Schule. weiterlesen
"Eine 150 Jahre alte Realschule, das ist schon etwas Besonderes!",
meint Piechot, der die Schule seit 2006 leitet. Und das gehöre
entsprechend gefeiert.
Am 5. Februar gibt es eine Auftaktveranstaltung für geladene Gäste.
"Da sind auch viele ehemalige Lehrer und Schüler darunter", weiß
Piechot. "Zum Beispiel Landrat Peter Bohlmann, Bürgermeister Lutz
Brockmann oder der Landtagsabgeordnete Wilhelm Hogrefe und der
frühere Bundestagsabgeordnete Joachim Stünker." Dabei soll auch eine
Ausstellung eröffnet werden, die von Lehrerin Elisabeth Meyer und
Schülern der 9. Klassen konzipiert wird. Zu sehen sein werden unter
anderem alte Zeugnisse, Fotos, Stundenpläne oder Werke aus dem
Kunstunterricht vergangener Tage - aber auch Unterrichtsmaterialien.
"Beim Umbau unseres naturkundlichen Bereichs haben wir so einiges
gefunden", erläutert der Schulleiter und deutet auf ein paar betagte
Stücke, die derzeit noch in seinem Arbeitszimmer stehen: ein
zweiteiliger Morse-Apparat, ein Nivelliergerät oder ein
Barometerschreiber. Auch Piechot hat etwas zur Ausstellung
beigetragen. "Von meiner Schwiegermutter habe ich ein Buch bekommen,
in dem vierstellige logarithmische und trigonometrische Tafeln
stehen. Damit hat man früher zum Beispiel Wurzeln gezogen." Das
lindgrüne Büchlein nimmt der Mathe-, Physik- und Biologielehrer auch
gerne mal mit in den Unterricht, um seinen Schülern zu zeigen, wie
man's früher gemacht hat. "Aber heute benutzen die Schüler für
solche Aufgaben natürlich einen Taschenrechner", weiß der Pädagoge.
Weitere Highlights am 5. Februar werden ein Auftritt des Chores (6.
Klassen) und der Schulband sein. Neunt- und Zehntklässler wollen
zudem Auszüge aus dem Highschool-Musical zeigen. Gemeinsam auf der
Bühne stehen Lehrer und Schüler bei der "Schulmeister-Kantate" von
Georg Philipp Telemann.
Am 9. April wollen die Schüler und ihre 42 Lehrer eine Fahrradtour
durch Verden unternehmen. "Da müssen vermutlich auch ein paar
Straßen gesperrt werden", schmunzelt der Schulleiter. "Wir werden
eine Sternfahrt zum Sportplatz in Dauelsen machen und dort grillen."
Im Spätsommer oder im Herbst ist noch eine Projektwoche zum Jubiläum
mit einem großen Schulfest geplant. Gleichzeitig soll der Neubau des
Aula-Mensa-Bereiches (Kosten 3,7 Millionen Euro) eingeweiht werden.
1860 am Wall gegründet
Zum eigentlichen Geburtstag am 15. Oktober wäre
die Schule dann also um eine echte Attraktion reicher. 1860 stand
die Schule noch am Wall, hieß "neue Schule" und zählte 161 Schüler.
Zur 50-Jahr-Feier 1910 waren es bereits 533 Schüler, und die Schule
platzte aus allen Nähten. 1913 wurde die Schule in "Städtische
Mittelschule Verden" umgetauft, und ab 1919 wurden aufgrund der
Raumnot fünf Mädchenklassen in der Feldkaserne in der Südstraße
unterrichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg litt die Schule weiterhin
unter Raumnot, doch erst 1964 wurde der Neubau an der Trift
eingeweiht. Ein Jahr später erhielt die Schule ihren heutigen Namen:
Realschule.
Doch auch im Neubau wurde es bald zu eng. Piechot: "1975 wurden 36
Klassen mit über 1000 Schülern in einem Gebäude unterrichtet, das
ursprünglich für 18 Klassen konzipiert war." Folge: Der Unterricht
fand in Schichten und Wanderklassen statt. Entlastung gab es erst,
als die Orientierungsstufe eingerichtet wurde und gleichzeitig in
Dörverden, Kirchlinteln und Langwedel Realschulen "eröffneten" - die
Schülerzahl an der Trift halbierte sich. Beim 125-jährigen Jubiläum
1985 zählte man 425 Schüler.
Nach der Abschaffung der Orientierungsstufe 2004 stieg die Zahl der
Kinder und Jugendlichen wieder. "Inzwischen sind es wieder 663
Schüler", so der Schulleiter.© Copyright Bremer
Tageszeitungen AG Ausgabe: Verden Stadt und Land Seite: 1 Datum:
30.01.2010 |
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