Realschule Verden
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10.02.10

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Festakt zum 150. Geburtstag der Realschule Verden

50 Jahre alte junge Realschule

Schüler beeindruckten auf dem Festempfang zum Jubiläum mit musikalischen Beiträgen

 

VERDEN (kle) Als junges, sehr lebendiges Bildungsinstitut präsentierte sich gestern die Verdener Realschule. Kein Muff von vielen Jahren, kein Staub alter Aktendeckel. Und das, obwohl die Pausenhalle mit Gästen gefüllt war, die den 150. Geburtstag der Einrichtung feiern woll

„Ich würde gerne als Schüler hierher zurückkehren“ , bekannte denn auch der Vorsitzende des Kreisschulausschusses, Wilhelm Hogrefe, nachdem er einen unterhaltsamen Nachmittag mit viel Musik und zahlreichen wohlwollenden Worten erlebt hatte. Mit den anderen Gästen hatte er die Schulband mit dem Stones-Klassiker Satifaction sowie das Orchester und den Jungen Chor mit einer Kostprobe aus Telemanns Schulmeister-Kantate gehört, die fünften und sechsten Klassen mit ihrem Tanz durch die Zeiten erlebt und war mit der Klasse 10d im Highschool Musical.

Die ebenso stimmungsvollen wie turbulenten Beiträge der Schüler hatten offenbar nicht nur den heutigen Landtagspolitiker Hogrefe beeindruckt, der selber vor mittlerweile fast 50 Jahren Schüler der Verdener Realschule war und sich noch gut daran erinnern konnte. Auch Bürgermeister Lutz Brockmann lobte die musischen Aktivitäten der Schule. Er berichtete in seinem Grußwort aber nicht ausschließlich von guten Erinnerungen. Da habe es 1971 auch den ersten Tag gegeben und das beklemmende Gefühl des Neulings, als die Klassen eingeteilt wurden.

An einen ganz anderen ersten Tag erinnerte Schulleiter Christian Piechot seine Gäste. Es war auch ein Antrittstag und zwar der des allerersten Schülers der Schule. Christel habe der geheißen, hatte der Rektor dem „Schülerhauptbuch“ entnommen. Dieser 15. Oktober 1860 sei zugleich der erste Unterrichtstag in der nagelneuen „Neuen Schule“ in Verden gewesen. „Der eigentliche Geburtstag“, stellte Piechot fest. Der damalige Magistrat der Stadt Verden habe mit der Einrichtung eine Lücke zwischen der Volksschule und dem Gymnasium schließen wollen. Damals, wie mittlerweile wieder, sei Ganztagsunterricht die Regel gewesen und wie heute die Kernaufgabe, die Vorbereitung auf das berufliche Leben, stellte Christian Piechot fest.

Diese Beständigkeit im Einklang mit dem zeitbedingten Wandel würdigte Regierungsschuldirektor Gerhard Grönke. Er war sich nicht zuletzt aufgrund der Mitarbeit im Arbeitskreis des Landkreises zur Fortentwicklung der Schulstruktur bewusst, dass mit der Bevölkerungsentwicklung auch auf die Realschulen Veränderungen zukommen würden. Beeindruckt von den Darbietungen hatte er aber ebenso wenig wie Brockmann und Hogrefe Angst um die Realschule. Für ihn war es eher eine spannende Frage, welchen Platz die Einrichtung in der künftigen Bildungslandschaft einnehmen werde.

 

Schulleiter Christian Piechot konnte zum Jubiläum zahlreiche Gäste in der Schule begrüßen.

 

Orchester und Junger Chor gaben unter Leitung von Regina Hirth eine Kostprobe aus der Schulmeister-Kantate.

© VAZ 06.02.10

 

 

Reelles Lernen fürs reale Leben

Von fabian lenk

Verden. Ganz hinten links sitzt ein älterer Herr, die Hände gefaltet, die Augen zur Bühne gerichtet: Pal Szabo. Der 77-Jährige unterrichtete 30 Jahre lang, von 1963 bis 1993, an der Verdener Realschule Sport, Astrophysik und Geographie. 'Schön, dass ich an dieser Schule lehren durfte', sagt er leise. 'Es war eine schöne Zeit.' Gestern war Szabo einer der Gäste bei der Geburtstagsparty der Realschule.

Regierungschuldirektor Gerd Grönke,Schulleiter Christian Piechot und Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann (vorn, von links) feierten gestern mit vielen Gästen in der Pausenhalle den 150. Geburtstag der Verdener Realschule.

150 Jahre - ein hohes Alter für eine Schule? Für ein Gymnasium eher nicht, aber sehr wohl für eine Realschule. Das sagt einer, der es recherchiert hat und es also wissen muss: Christian Piechot, Leiter der Verdener Realschule. Piechot (dunkler Anzug, violette Krawatte) freut sich, dass der Laden so voll ist. 'Schön, dass viele ehemalige Schüler und Lehrer da sind.' Darunter sind Landrat Peter Bohlmann, Bürgermeister Lutz Brockmann und der Landtagsabgeordnete Wilhelm Hogrefe. Sie alle drückten hier einst die Schulbank, Hogrefe war sogar mal Lehrer. Auch der frühere Bundestagabgeordnete Joachim Stünker ging einst in der Verdener Realschule ein und aus.

Piechot wirft in seiner Rede einen Blick zurück, erinnert an den ersten Schüler, der am 15.10.1860 eingeschult wurde: Ein Junge, bei dessen Namen Christel man eher an ein Mädchen denkt. Christel, so der Schulleiter in seinem kurzweiligen Vortrag, wurde von den Lehrern eine lediglich 'mäßige Begabung' und eher 'lässige' Arbeitsweise attestiert. Jedoch habe es bei ihm 'keine gröberen Verfehlungen' gegeben. 1862 verließ Christel die Schule und wurde Bäckerlehrling.

Nur eine einzige Klasse gab es damals, berichtet Piechot, in der alle gemeinsam unterrichtet wurden. Auch Schulgeld wurde fällig, zwischen fünf und zehn Talern, so der Schulleiter ('Französischunterricht kostete noch mal zwei Taler extra'). Der Schulbesuch war damals auch eine Sache des Portemonnaies

Piechot schlägt den Bogen ins nächste Jahrhundert, erzählt von Platznot und Umzügen, von (gescheiterten) Plänen für eine zweite Realschule sowie der Einrichtung und Abschaffung der Orientierungsstufe. Und Piechot schaut nach vorn, freut sich auf den Neubau des Aula-Mensa-Bereiches (Kosten 3,7 Millionen Euro) für seine derzeit 663 Schüler, der im Herbst fertig sein soll: 'Heute Morgen stand hier noch ein Radlader. Der ist jetzt weg. Ich hoffe, der kommt bald wieder!'

Anschließend bieten die Fünft- und Sechstklässer einen furiosen 'Tanz durch die Zeiten' zu klassischen Klängen, wildem Rock?n?Roll und dem Disco-Pop der 70-er Jahre. Außerdem bieten sie eine originelle Percussion-Nummer mit Besen und Schrubbern. Später sorgen das Schulorchester, der 'Junge Chor' und die Zehntklässler mit einer mitreißenden Musical-Nummer für prächtige Unterhaltung.

Natürlich hat auch die Politik das Wort. Bürgermeister Brockmann erinnert sich an seine Abschlussfeier (1977) und ist erleichtert, dass 'sich das Bildungsideal seit damals geändert hat'. Er habe sich oft gefragt, was das Wort Realschule bedeutet - und sei zu folgendem Ergebnis gekommen: 'Realschule bedeutet reelles Lernen fürs reale Leben. Und viele haben nur gute Erinnerungen an die Verdener Realschule'.

Auch Hogrefe lobt seine frühere Schule: 'Diese Schule hat meine Begeisterung für Naturwissenschaften und Europa geweckt.' Die Wahl, Verdens Realschule zu besuchen, sei goldrichtig: 'Hier hat man alle Möglichkeiten! Und wenn ich heute hier bin, hätte ich doch glatt Lust, hier mal einen Tag lang wieder Schüler zu sein - auch wenn ich schon so ein Fossil bin.'

Pal Szabo, hinten links, nickt, als er das hört. Dann kommt Bewegung in seine gefalteten Hände. Er klatscht.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Verden,Datum: 06.02.2010

 
"Neue Schule" wird 150 Jahre alt
Verdener Realschule will feiern: Am 5. Februar Auftaktveranstaltung mit viel Musik
Von fabian lenk Verden.

Christian Piechot klappt das schwere, schwarze Buch auf. "Hier sind alle Schüler des Jahres 1860 vermerkt", sagt der Leiter der Verdener Realschule und deutet auf die Eintragungen in akkurater Handschrift. Dieses sogenannte Schülerhauptbuch gehört zu den Schätzen, die bald in der Aula ausgestellt werden - zum 150-jährigen Bestehen der Schule. weiterlesen
"Eine 150 Jahre alte Realschule, das ist schon etwas Besonderes!", meint Piechot, der die Schule seit 2006 leitet. Und das gehöre entsprechend gefeiert.
Am 5. Februar gibt es eine Auftaktveranstaltung für geladene Gäste. "Da sind auch viele ehemalige Lehrer und Schüler darunter", weiß Piechot. "Zum Beispiel Landrat Peter Bohlmann, Bürgermeister Lutz Brockmann oder der Landtagsabgeordnete Wilhelm Hogrefe und der frühere Bundestagsabgeordnete Joachim Stünker." Dabei soll auch eine Ausstellung eröffnet werden, die von Lehrerin Elisabeth Meyer und Schülern der 9. Klassen konzipiert wird. Zu sehen sein werden unter anderem alte Zeugnisse, Fotos, Stundenpläne oder Werke aus dem Kunstunterricht vergangener Tage - aber auch Unterrichtsmaterialien.
"Beim Umbau unseres naturkundlichen Bereichs haben wir so einiges gefunden", erläutert der Schulleiter und deutet auf ein paar betagte Stücke, die derzeit noch in seinem Arbeitszimmer stehen: ein zweiteiliger Morse-Apparat, ein Nivelliergerät oder ein Barometerschreiber. Auch Piechot hat etwas zur Ausstellung beigetragen. "Von meiner Schwiegermutter habe ich ein Buch bekommen, in dem vierstellige logarithmische und trigonometrische Tafeln stehen. Damit hat man früher zum Beispiel Wurzeln gezogen." Das lindgrüne Büchlein nimmt der Mathe-, Physik- und Biologielehrer auch gerne mal mit in den Unterricht, um seinen Schülern zu zeigen, wie man's früher gemacht hat. "Aber heute benutzen die Schüler für solche Aufgaben natürlich einen Taschenrechner", weiß der Pädagoge.
Weitere Highlights am 5. Februar werden ein Auftritt des Chores (6. Klassen) und der Schulband sein. Neunt- und Zehntklässler wollen zudem Auszüge aus dem Highschool-Musical zeigen. Gemeinsam auf der Bühne stehen Lehrer und Schüler bei der "Schulmeister-Kantate" von Georg Philipp Telemann.
Am 9. April wollen die Schüler und ihre 42 Lehrer eine Fahrradtour durch Verden unternehmen. "Da müssen vermutlich auch ein paar Straßen gesperrt werden", schmunzelt der Schulleiter. "Wir werden eine Sternfahrt zum Sportplatz in Dauelsen machen und dort grillen." Im Spätsommer oder im Herbst ist noch eine Projektwoche zum Jubiläum mit einem großen Schulfest geplant. Gleichzeitig soll der Neubau des Aula-Mensa-Bereiches (Kosten 3,7 Millionen Euro) eingeweiht werden.
1860 am Wall gegründet
Zum eigentlichen Geburtstag am 15. Oktober wäre die Schule dann also um eine echte Attraktion reicher. 1860 stand die Schule noch am Wall, hieß "neue Schule" und zählte 161 Schüler. Zur 50-Jahr-Feier 1910 waren es bereits 533 Schüler, und die Schule platzte aus allen Nähten. 1913 wurde die Schule in "Städtische Mittelschule Verden" umgetauft, und ab 1919 wurden aufgrund der Raumnot fünf Mädchenklassen in der Feldkaserne in der Südstraße unterrichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg litt die Schule weiterhin unter Raumnot, doch erst 1964 wurde der Neubau an der Trift eingeweiht. Ein Jahr später erhielt die Schule ihren heutigen Namen: Realschule.
Doch auch im Neubau wurde es bald zu eng. Piechot: "1975 wurden 36 Klassen mit über 1000 Schülern in einem Gebäude unterrichtet, das ursprünglich für 18 Klassen konzipiert war." Folge: Der Unterricht fand in Schichten und Wanderklassen statt. Entlastung gab es erst, als die Orientierungsstufe eingerichtet wurde und gleichzeitig in Dörverden, Kirchlinteln und Langwedel Realschulen "eröffneten" - die Schülerzahl an der Trift halbierte sich. Beim 125-jährigen Jubiläum 1985 zählte man 425 Schüler.
Nach der Abschaffung der Orientierungsstufe 2004 stieg die Zahl der Kinder und Jugendlichen wieder. "Inzwischen sind es wieder 663 Schüler", so der Schulleiter.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Verden Stadt und Land Seite: 1 Datum: 30.01.2010

 

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Stand: 10.02.10