Auf unserem Hungertuch, das wir Schülerinnen und Schülern der
Realschule Verden gestaltet haben, haben wir insbesondere die
Probleme, die hier vor Ort, das heißt in unserer Schule, in unserer
Stadt und in unserer Region auffällig sind, dargestellt.
Einige Bilder, die im weitesten Sinne etwas mit dem heutigen Tag,
dem Tag der Demokratie, zu tun haben, wollen wir erläutern:
Obwohl wir in einem demokratischen Land leben, gibt es auch bei uns
Gewalt, Ungerechtigkeit und Missstände. Auf unseren Bildern haben
wir zusammengestellt, was hier bei uns vor Ort nicht in Ordnung
ist.
Wir sehen einen brennenden Eisenbahnwaggon. Er symbolisiert den
Eisenbahnwaggon, der als Mahnmal auf dem Gelände der Berufsbildenden
Schulen stand und von bisher noch unbekannten Tätern angezündet
wurde. Was sind das für Menschen, die ein Mahnmal anzünden, das an
die Schandtaten der Nazis erinnerte? Denken die Brandstifter etwa,
dass durch die Vernichtung des Mahnmals das schreckliche Unrecht
gegenüber den Verdener Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in
Vergessenheit gerät?
Das Gegenteil ist der Fall, denn in allen Zeitungen und sogar im
Fernsehen wurde über die verwerfliche Tat berichtet und somit ist
sogar das zerstörte Mahnmal wiederum zu einem Mahnmal geworden.
Auch der Heisenhof in Barme ist auf unserem Tuch zu sehen, den die
Nazis als Treffpunkt nutzen. Für uns ist dieser Ort zur Zeit sehr
negativ besetzt, denn diejenigen, die sich dort aufhalten,
verherrlichen die Ideologie der Nazis und sind Gegner eines
demokratischen Rechtsstaates. Immer wieder versuchen sie,
Schülerinnen und Schüler durch gewaltverherrlichende Schriften und
Songs von ihrer Ideologie zu überzeugen, doch wir lassen uns von
solchen Typen nicht beeindrucken.
Wir möchten auch die Friedenstaube auf unserem Hungertuch
hervorheben, weil sie symbolisiert, dass wir alle uns ein
friedliches Miteinander und ein Leben ohne Krieg wünschen. Was Krieg
bedeutet, wird uns täglich durch die Medien vermittelt. Die Bilder,
die wir im Fernsehen sehen und die Berichte über die Situation der
Menschen in den Kriegsgebieten und darüber hinaus, machen uns
betroffen. Aber ist unser Miteinander in unserem demokratischen
Deutschland, in unseren Schulen, in unserer Stadt Verden und in
unserer Region Verden wirklich als „friedlich“ zu bezeichnen?
Krieg gibt es auch unter uns – Krieg entsteht in Köpfen von
Menschen. Dort, wo Feindbilder geprägt werden, dort entsteht Krieg.
Lassen wir uns nicht oftmals auch von Vorurteilen leiten gegenüber
Mitschülerinnen und Mitschülern, Andersdenkenden, Ausländern? Wie
sonst ist es zu erklären, dass es immer wieder zu verbalen
Gewaltandrohungen und zu Gewaltaktionen in unseren Schulen, auf den
Schulwegen und in den Schulbussen kommt.
Schlägereien und Einschüchterungen gehören fast schon zum
Schulalltag, Mobbing sowie verbale Gewalt inbegriffen.
Auch fremdenfeindliche Äußerungen nehmen zu und machen deutlich,
dass wir unmissverständlich klarstellen müssen, dass Toleranz und
Weltoffenheit die Markenzeichen einer freiheitlichen Gesellschaft
sind.
Viele Schülerinnen und Schüler haben das Problem der
Arbeitslosigkeit in ihren Bilden thematisiert. Sie haben Menschen,
die am Rande des Existenzminimums leben, dargestellt und aufgezeigt,
welche Problematik sich daraus ergeben kann. Ist ein Mensch erst
einmal in den Teufelskreis „Arbeitslosigkeit“ oder „Hartz – 4 –
Empfänger“ geraten, ist der soziale Abstieg oftmals
vorprogrammiert. Besonders Jugendliche, die keine
Zukunftsperspektive mehr haben, sind sehr gefährdet, sogenannten
„Rattenfängern“ zu folgen.
Damit wir weiterhin in einer freiheitlichen demokratischen
Gesellschaft leben können, sind wir alle aufgefordert, uns dafür
einzusetzen, dass Extremismus, Rassismus und Antisemitismus bei
uns keine Chance haben. Also „mischt euch ein, wenn Mitschülerinnen
und Mitschüler oder andere Personen angegriffen oder terrorisiert
werden!“
Schülerinnen und Schüler des WPK Geschichte (Frau Osthues)