Realschule Verden
Hungertuch

11.09.11

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Das Hungertuch der Schülerinnen und Schüler der Realschule Verden

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über das Hungertuch

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Gedanken zum Hungertuch - Vorstellung des Hungertuches am Tag der Demokratie (23.05.07)

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Erkunden Sie das Hungertuch!
Ziehen Sie die Maus auf die Stelle des Hungertuches, die Sie sich näher ansehen möchten. Mit einem Klick gelangen Sie auf die gewünschte Detailansicht und zu den ergänzenden Erklärungen der Darstellungen. Alternativ können Sie auch die alphabetische Navigation am unteren Ende dieser Seite und der Detailseiten nutzen. Mit einem Klick auf das Hungertuch gelangen Sie jeweils wieder zu dieser Übersicht zurück.

Hungertuch der Realschule Verden (2007)

In der Passionszeit beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Realschule Verden im Religionsunterricht und auch im Fach Werte und Normen mit  dem mittelalterlichen Brauch, in der Kirche ein „Hungertuch“ aufzuhängen. Sie erfuhren, dass man in der Fastenzeit  die in der Kirche stehenden Kreuze und Altäre mit  "Hungertüchern" verhüllte, die mit Darstellungen der Passion Christi bemalt waren.  Auf diese Weise sollte der Weg Jesu ans Kreuz, Jesu Leiden und Jesu Sterben in den Mittelpunkt gestellt werden. Erst zu Ostern wurden die Tücher wieder abgenommen und der Blick auf  den auferstandenen Herrn wieder freigegeben.  Dieser mittelalterliche Brauch geriet später in Vergessenheit und wurde erst im Jahr 1976 von Misereor wieder aufgegriffen. Heute stellen die modernen Hungertücher zeitgenössische Bilder von Leid und Tod, von Armut, Ausbeutung und Unterdrückung, aber auch von Verheißung, Hoffnung und Befreiung dar.


 

Zunächst  setzten sich die Schülerinnen und Schüler in der Fastenzeit  mit dem Hungertuch „Brot und Rosen“ auseinander, das Misereor 2004 herausgegeben hat.
Die intensive Auseinandersetzung mit diesem Hungertuch führte dazu, dass die Schülerinnen und Schüler motiviert werden konnten, ein eigenes Hungertuch zu gestalten, das ihre Probleme sowie die Probleme der Menschen ihrer Region (und darüber hinaus) darstellt.

 

Das von den Realschülerinnen und Realschülern gestaltete  Hungertuches dokumentiert, dass sie durchaus in der Lage waren, an die Tradition der modernen Hungertücher anzuknüpfen.


 

 

Die Bilder und die von den Schülerinnen und Schülern dazu verfassten Texte verdeutlichen, dass auch im Umfeld der Jugendlichen, in ihrer Schule, in ihrer Stadt und in ihrer Region Menschen hungern nach Gerechtigkeit, nach Frieden, nach Liebe, nach Wärme, nach Hoffnung  etc..

Die Darstellungen der Jugendlichen lassen die Betrachterin und den Betrachter des Hungertuches nicht kalt, zeigen sie doch die gegenwärtigen Probleme vor Ort und darüber hinaus – Probleme, die oftmals verdrängt und nicht thematisiert werden. So finden sich z.B. Szenen von Gewalt, Armut, Einsamkeit, Hunger, Lieblosigkeit u.a. (siehe Einzelausschnitte und Texte).




 

Erst auf den zweiten Blick fällt die große Christusfigur auf, die auf einer Folie aufgezeichnet und  über das Tuch gehängt wurde.

Sie streckt allen  die Hände entgegen und symbolisiert jedem Leidenden, Unterdrückten, Ausgegrenzten, Bedrängten, Kranken und Entrechteten , dass ER ihnen nahe ist. Jesu Verkündigung, Jesu Leiden, Jesu Sterben und Jesu Auferstehen ist also kein vergangenes Ereignis sondern ein gegenwärtiges. Und ER fordert uns auf,  heute an SEINE Stelle zu treten..

Dass  dieses den Schülerinnen und Schülern durchaus deutlich geworden ist, zeigen einige ihrer Darstellungen.

 

Das Material des Hungertuches  ist  Baumwolle und hat die Maße ca. 3,25 m  x  3,20 m.. Das große Tuch  entstand   aus vielen kleinen Bildern, die zusammengenäht  (Patchwork)  wurden.

            Inge Osthues

 (Fachkonferenzleiterin Religion)

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Gedanken zum Hungertuch
Vorstellung des Hungertuches am Tag der Demokratie vor dem Verdener Rathaus am 23.Mai 2007

Auf unserem Hungertuch, das wir Schülerinnen und Schülern der Realschule Verden gestaltet haben, haben wir insbesondere die Probleme, die hier vor Ort, das heißt  in unserer Schule, in unserer Stadt und in unserer Region auffällig sind, dargestellt.

Einige Bilder, die im weitesten Sinne etwas mit dem heutigen Tag, dem Tag der Demokratie, zu tun haben, wollen wir erläutern:

Obwohl wir in einem demokratischen Land leben, gibt es auch bei uns Gewalt, Ungerechtigkeit und Missstände. Auf unseren Bildern haben wir zusammengestellt, was  hier bei uns vor Ort  nicht in Ordnung ist.

 Wir sehen einen brennenden Eisenbahnwaggon. Er symbolisiert den Eisenbahnwaggon, der als Mahnmal auf dem Gelände der Berufsbildenden Schulen stand und von bisher noch unbekannten Tätern angezündet wurde. Was sind das für Menschen, die ein Mahnmal anzünden, das an die Schandtaten der Nazis erinnerte? Denken die Brandstifter etwa, dass  durch die Vernichtung des Mahnmals das schreckliche Unrecht gegenüber den Verdener Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in Vergessenheit gerät?

Das Gegenteil ist der Fall, denn in allen Zeitungen und sogar im Fernsehen wurde über die verwerfliche Tat berichtet und somit ist sogar das zerstörte Mahnmal wiederum zu einem Mahnmal geworden.

Auch der  Heisenhof in Barme ist auf unserem Tuch zu sehen, den die Nazis als Treffpunkt nutzen. Für uns ist dieser Ort zur Zeit sehr negativ besetzt, denn diejenigen, die sich dort aufhalten, verherrlichen die Ideologie der Nazis und sind Gegner eines demokratischen Rechtsstaates. Immer wieder  versuchen sie, Schülerinnen und Schüler durch gewaltverherrlichende Schriften und Songs von ihrer Ideologie zu überzeugen, doch wir lassen uns von solchen Typen nicht beeindrucken.

 Wir möchten auch die Friedenstaube auf unserem Hungertuch hervorheben, weil sie symbolisiert, dass wir  alle  uns ein friedliches Miteinander und ein Leben ohne Krieg wünschen. Was Krieg bedeutet, wird uns täglich durch die Medien vermittelt. Die Bilder, die wir im Fernsehen sehen und die Berichte über die Situation der Menschen in den Kriegsgebieten und darüber hinaus, machen uns betroffen.  Aber ist unser Miteinander in unserem demokratischen Deutschland, in unseren Schulen, in unserer Stadt Verden und  in unserer Region Verden wirklich als „friedlich“ zu bezeichnen?

 Krieg gibt es auch unter uns – Krieg entsteht in Köpfen von Menschen. Dort, wo Feindbilder geprägt werden, dort entsteht Krieg.

Lassen wir uns nicht oftmals auch von Vorurteilen leiten gegenüber Mitschülerinnen und Mitschülern, Andersdenkenden, Ausländern? Wie sonst ist es zu erklären, dass es immer wieder zu  verbalen Gewaltandrohungen und zu Gewaltaktionen in unseren Schulen, auf den Schulwegen und  in den Schulbussen kommt.

Schlägereien und Einschüchterungen gehören fast schon zum Schulalltag,  Mobbing  sowie verbale Gewalt inbegriffen.

Auch fremdenfeindliche Äußerungen nehmen zu und machen deutlich, dass wir unmissverständlich klarstellen müssen, dass Toleranz und Weltoffenheit die Markenzeichen einer freiheitlichen Gesellschaft sind.

Viele Schülerinnen und Schüler haben das Problem der Arbeitslosigkeit in ihren Bilden thematisiert.  Sie haben Menschen, die am Rande des Existenzminimums leben, dargestellt und aufgezeigt, welche Problematik sich daraus ergeben kann. Ist ein Mensch erst einmal in den Teufelskreis „Arbeitslosigkeit“ oder „Hartz – 4 – Empfänger“ geraten, ist  der soziale Abstieg oftmals vorprogrammiert. Besonders Jugendliche, die keine Zukunftsperspektive mehr haben, sind sehr gefährdet, sogenannten „Rattenfängern“ zu folgen.

 Damit wir weiterhin in einer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft leben können, sind wir alle aufgefordert, uns dafür einzusetzen, dass  Extremismus, Rassismus und Antisemitismus bei uns  keine Chance haben. Also „mischt euch ein, wenn Mitschülerinnen und Mitschüler oder andere Personen angegriffen oder terrorisiert werden!“

 Schülerinnen und Schüler des WPK Geschichte (Frau Osthues)

 

   

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Stand: 10.02.10